logo

Ich und mein Bloc(g)k – Interview 4/?

Posted on

IUMB: Björn, schön, Dich nach der längeren Pause körperlich in so toller Form zu sehen. Wie machst Du das bloß? Wie vertreibst Du Dir die Zeit ohne TT?

Björn: Danke, danke, ich bin tatsächlich in keiner allzu schlechten Form. Mein Geheimnis ist: ich habe ein Kind, dass bald zwei Jahre alt wird. Und ich bin davon überzeugt, dass es notwendig ist

  • stärker zu sein als sein Kind,
  • schneller zu sein als sein Kind,
  • und, im Optimalfall, auch mehr Ausdauer zu haben als sein Kind.

Zumindest hat sich das bislang als nützlich erwiesen. Mal sehen, wie sich die Dinge so entwickeln…

Aber komplett ohne TT bin ich ja gar nicht. Das würde ich auch nicht aushalten. Zum einen haben wir im Keller einen TT-Tisch. Da trainieren wir mit Finn. Er freut sich auch schon darauf, dass wir wieder in die Halle dürfen.

  

Außerdem gibt es TT-Videos im Internet, die ich zum Überleben brauche. Ich habe bei YouTube den „Official ITTF Channel“ abonniert und außerdem noch den Kanal von Adam Bobrow. Adam ist nicht nur der beste (englische) TT-Kommentator, den es gibt, sondern er hat außerdem auch offensichtlich Spaß am TT und verbreitet diesen Spaß auf der ganzen Welt.

IUMB: Beschreib unseren Lesern doch mal, worauf Du Dich nach der langen TT-Pause am meisten freust, wenn es irgendwann mal wieder losgehen sollte.

Björn: Einfach wieder gemeinsam Sport machen. Gerne auch als Mannschaft gegen eine andere.

IUMB: Welchen TT-Kampfnamen würdest Du Dir selbst geben und welcher TT-Kampfname beschreibt Deine Mannschaft am besten?

Björn: „Griddi, wenn du für mich einen TT-Kampfnamen hättest: welcher wäre das?“ – „Ich muss arbeiten…“

Ein wenig später sagte sie: „Irgendwas lautes.“ Danach wurde sie dann auch noch fies…

Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Mannschaft (und alle, die jemals mit mir in der selben Mannschaft gespielt haben) ganz ähnlich antworten würde.

Irgendwie komme ich hier nicht besonders gut weg…

Allerdings hat mir kürzlich, bei einem der letzten Punkstpiele, also vor der Pandemie, jemand gesagt, dass er es gut findet, dass ich niemals aufgebe und, auch wenn es schlecht läuft, immer alles versuche, um doch noch ins Spiel zu finden. Das ist aber irgendwie auch kein griffiger Kampfname.

Für mein Team: vielleicht „die Fieslinge“? 😛

IUMB: Schildere uns doch mal bitte Dein schönstes TT-Erlebnis.

Björn: Tischtennis ist einfach ein schönes Erlebnis.

Ich habe einfach wunderbare Menschen beim TT kennen gelernt. Niemand davon ist, was man landläufig als „ganz dicht“ bezeichnen würde, aber es sind wunderbare Menschen!

Was mir sonst noch so spontan einfällt:

Ziemlich cool war:

  • Dass wir regelmäßig nach dem TT in Nortorf in Bines Bus nach Kiel gefahren sind, und dort die Nacht durchgefeiert haben.
  • Die Saison, in der wir die mit der Zweiten die Bezirksliga so sehr dominiert haben, dass wir unsere Doppelaufstellung gelost haben. In der nächsten Saison sind wir direkt auch noch in die Verbandsliga aufgestiegen.
  • Dass es zur Tradition geworden ist, bei Fahrten über die 404 auf der Rücktour an der Raststätte Schackendorf anzuhalten und unsere Verpflegung am Nachtschalter der Tanke aufzustocken.
  • Wie ich Peer im Finale der Vereinsmeisterschaften zerlegt habe (kurz zuvor hatte er im Training mit einem Kloppenburgschläger ein Bier gegen mich gewonnen. Natürlich gegen mich mit richtigem Schläger…).
  • Dass Tommy endlich zu uns kam.
  • Einfach nur vor und nach den Punktspielen oder auch nach dem Training zusammen herumzuhängen.
  • In 24 Jahren Tischtennis so einige Vereinstouren, geordnet nach Reihenfolge, in der sie mir eingefallen sind: Esbjerg, Perstorp, Wacken, Landau, Bad Blankenburg, Großhansdorf, Becks-Cups, KRECK-Turnier, Rostock, Nordstrand

Ziemlich witzig war:

  • Das erste Punktspiel, bei dem Griddi zugesehen hat: SCM 2 – SV Friedrichsort 3 im Jahr 2009. Die meisten Frauen wären vielleicht entsetzt gewesen, hätten nie wieder eine TT-Halle betreten und sich vielleicht sogar direkt wieder von mir getrennt. Nicht so Griddi. Sie fand es „auf jeden Fall nicht langweilig“.
  • Wie Jörg gegen eine Bande getreten hat, so dass diese zwei Meter hoch in die Luft flog, um wieder genau so zu landen, wie sie vorher stand.
  • Wie ich mich im Ballwechsel im Doppel mit meinem Schnürsenkel in einer Bande verhädderte, dann die Bande (eigentlich wohl drei Banden) mit mir durch die ganze Box schleifte, um den Topspin zum Punktgewinn zu spielen. Ein oder zwei Leute in der Halle schauten irritiert…
  • Wie Tariq in Gaarden bei FT Eiche einen Ball mit der Kante auf die Tribüne feuerte und dann fragte: „Und wer holt den jetzt?“
  • Wie Bernd sich am selben Abend vor Lachen kaum noch halten konnte, als mein Telefon beim Pinkeln aus meiner Tasche ins Urinal gefallen ist.
  • Wie Deles Gegner im Einzel vor Wut seinen Schläger durchgebrochen hat, dann wortlos die Box verlies, zu seiner Tasche ging, seinen Ersatzschläger holte und weiterspielte. Dele hat ihn einfach geduldig gewähren lassen, als wäre das völlig normal, und dann halt kurz zu Ende gewonnen.
  • Mein erstes Spiel gegen Marc, als der noch bei Oldesloe spielte. In einem Ballwechsel feierte ich schon den Punkt, um dann zuzusehen, wie Marc den Ball noch einmal ganz gemütlich aber für mich unerreichbar zurückspielte. In der kommenden Satzpause gab ich Marc etwas von meinem Wasser ab, weil er nichts mehr hatte. Danach hatte ich dann gar keine Chance mehr. Er macht sich bis heute darüber lustig, dass ich ihm kein Wasser hätte geben sollte.
  • Wie Dele mit der Ausschwungphase seines VH-TP seinen Doppelpartner Magnus ausgeknockt hat, sah schon auch irgendwie witzig aus, vielleicht auch nur deshalb, weil es ein bisschen absurd war.
  • Im Nachhinein auch immer eine Geschichte wert: wie ich mir mal spontan abends um 21 Uhr einen Weg, um nach Kiel zu kommen, überlegen musste, weil mein eigentlicher Fahrer mich stehen ließ, weil mit mir die maximale Zuladung seines Fahrzeugs überschritten würde.

Wenn wir uns wieder treffen dürfen, fällt uns noch mehr ein!

IUMB: Wie würdest Du mit einem roten Knopf, an dem „Bitte nicht drücken“ steht, ein Punktspiel retten?

Björn: „Wir verlieren hier alles! Wir müssen es tun: drück den roten Knopf!“ „Den roten Knopf? Das können wir nicht tun! Du weißt, was dann passiert!“ „Es gibt keine andere Möglichkeit! Tu es!“

Die Klappe der großen Transportkiste, die in der Hallenecke steht, geht auf. Hinaus kommt Magnus. Magnus hat gute Laune und scheint voller Energie zu sein. Er ist stylisch zurecht gemacht und hat für jeden Geschenke dabei. Der Ablauf des Punktspiels ist nicht mehr so flüssig wie zuvor, aber die Laune von jedem in der Halle wird besser. Magnus gibt Getränke aus und erzählt Geschichten. Jeder fühlt sich wohl. Nach dem Punktspiel gehen alle gemeinsam Essen, dann gehen wir in den Club, vom Club in die Bar, aus der Bar zum Eierbraten bei Magnus.

Wir wachen auf, wissen nicht, wo wir sind, haben einen Filmriss und krasse Kopfschmerzen, aber im Netz steht: das Punktspiel haben wir 9:7 gewonnen.

IUMB: Und nun zum Abschluss: Was ist der coolere Schlag? VH- oder RH-Blo(g)ck?

Björn: Endlich! Endlich die Chance, dass flammende Plädoyer für VH-Block vorzutragen, das seit langen Jahren in meiner Schublade liegt! Es ist so gut, so voller Herzblut, sprühend vor Witz, weise und inspirierend!

Während ich diese Zeilen schreibe, muss ich auch noch einen ganz ähnlichen Fragebogen ausfüllen, um mir auf das jährliche Feedbackgespräch mit meinem Manager vorzubereiten. Ich muss aufpassen, dass ich die beiden nicht verwechsele. Wobei die Reaktion bestimmt interessant wäre, wenn ich nach fünf Minuten leidenschaftlichem Vortrag (während dem ich mich weigere, unterbrochen zu werden oder Fragen zu beantworten) mit den Worten abschließe: „… und deshalb ist VH-Block der coolere Schlag!“